HR Trends 2021: Was im kommenden Jahr wichtig wird

HR Trends 2021 HR Herausforderungen

Ohne HR, das hat die Corona-Pandemie gezeigt, kann kaum ein Unternehmen in Krisenzeiten bestehen. Dies wirkt sich auch auf die Entwicklungen im HR-Sektor selbst aus. Die HR Trends 2021 spiegeln die veränderte Weltlage der letzten Monate wider und geben einen Einblick in kommende Entwicklungen.

 

1. Home Office und Remote Work sind gekommen, um zu bleiben

Weniger ein Trend als vielmehr schon Realität: Die Pandemie hat gezeigt, dass Remote Work und Home Office auch in Bereichen möglich sind, die bislang noch mit klassischen Bürostrukturen ausgekommen sind. Einer repräsentativen Studie des Digitalverbands Bitkom zur Folge, arbeiten derzeit (Stand: Dez. 2020) rund 25% der Beschäftigten in Deutschland ausschließlich im Home Office. Weitere 20% arbeiten zumindest teilweise von zuhause aus. Auf Basis von Berechnungen geht die Bitkom davon aus, dass auch nach der Pandemie sehr viele Menschen im Home Office arbeiten werden.

Darüber hinaus geben 74% der Befragten an, dass die Möglichkeit des Homeoffices in Deutschland noch stärker genutzt werden sollte. Auf Seiten vieler Mitarbeiter*innen und Talente ist Remote Work also zur Selbstverständlichkeit geworden. Und damit auch zur Erwartungshaltung an potentielle Arbeitgeber. Die Möglichkeit, außerhalb fester Standorte zu arbeiten, ist vom Nice-to-have zur Voraussetzung geworden. Das müssen HR Manager sowohl hinsichtlich des Employer Brandings als auch der Retention Rate berücksichtigen.

Einige Unternehmen haben bereits reagiert. So stellt der Technologiekonzern Slack seinen Mitarbeiter*innen neben einem externen Monitor und einem Bürostuhl auch eine eigene Kaffeemaschine für das Home Office zur Verfügung. Dies führt dazu, dass nur noch eine kleine Zahl an Mitarbeiter*innen überhaupt wieder in den “normalen” Büroalltag zurückkehren will. Twitter-Chef Jack Dorsey ging sogar noch einen Schritt weiter: per E-Mail teilte er den Angestellten des Kurznachrichtendiensts mit, sie könnten “für immer” zuhause bleiben.

Zwar wird es auch weiterhin Mitarbeiter*innen geben, die es bevorzugen, nicht von zuhause aus zu arbeiten. Ihre Zahl wird aber deutlich geringer sein als noch vor der Pandemie. Daraus ergeben sich auch Einsparpotenziale für die Unternehmen. So rechnet laut einer Befragung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC die Mehrheit der befragten Firmen mit einer Reduzierung der Büroflächen um etwa 20% (Stand: Oktober 2020). Home Office und Remote Work gehören zu den Megatrends im HR, die die kommenden Jahre prägen werden.

Dennoch ist es wichtig, Mitarbeiter*innen und Talents die Flexibilität professioneller Arbeitsplätze zu ermöglichen. Darüber hinaus sind Investitionen in die Kommunikationsinfrastruktur sowie in einheitliche Software- und Hardwarelösungen für Home-Office-Arbeitsplätze notwendig. Denkbar ist auch die Finanzierung einzelner Arbeitsplätze in dezentralisierten Coworking-Spaces, wie sie bereits vor Beginn der Pandemie auch im ländlichen Raum entstanden sind.

2. Onboarding wird digital und ortsungebunden

Auch wenn es bereits erste Impfstoffe gibt, wird auch das kommende Jahr noch von Schutzmaßnahmen bestimmt sein. Dies betrifft vor allem eine der Kernaufgaben des HR: das Onboarding. Die ortsungebundene Einarbeitung neuer Mitarbeiter*innen zählt zu den größten HR Trends 2021. Neben den technischen Aspekten, wie der Einrichtung eigener Benutzerkonten, Endgeräten oder E-Mail-Adressen, geht es beim Onboarding auch darum, neuen Mitarbeiter*innen ein Verständnis für die Unternehmenskultur zu vermitteln und sie in ihre jeweiligen Teams einzugliedern.

Dabei kann die Bedeutung des Onboarding-Prozesses nicht überschätzt werden: Bis zu 20% der Personalfluktuation (Turnover) tritt innerhalb der ersten 45 Tage im Unternehmen auf. Und das ist teuer: Das amerikanische Work Institute geht davon aus, dass die durchschnittlichen Turnover-Kosten pro Angestelltem bei 33% des Jahresgehalts liegen. Die durchdachte Digitalisierung der Einarbeitung gehört daher zu den wichtigsten HR Trends 2021. Ist ein*e neue Mitarbeiter*in von Anfang an im Home Office, dauert es länger, sich mit dem Arbeitgeber zu identifizieren und in Austausch mit Kolleg*innen zu kommen.

Der Fokus sollte daher auf einer engmaschigen persönlichen Betreuung liegen. Von virtuellen Team Meetings hin zu individuellen 1:1 Slots mit neuen Kolleg*innen oder etwa IT-Beauftragten – je mehr sich neue Mitarbeiter*innen direkt angesprochen und involviert fühlen, umso höher die Chance, dass sie auch längerfristig im Unternehmen bleiben. Aber Achtung: Zu viele und zu lange Videokonferenzen sind für beide Seiten sehr anstrengend. Es ist daher sinnvoll, einen Teil der notwendigen Onboarding-Materialien in einem digitalen Handbuch oder Hub zur Verfügung zu stellen. So können sich neue Mitarbeiter*innen selbstständig und in ihrem eigenen Tempo ein Bild machen.

Darüber hinaus gilt es, den Onboarding-Prozess auch digital zu standardisieren. Mit Hilfe kurzer Videos können beispielsweise die wichtigsten Tools und Prozesse erläutert werden. Diese können zudem intern zugänglich gemacht werden, um auch anderen Team-Mitgliedern die Möglichkeit zu bieten, ihre Kenntnisse aufzufrischen.

Da COVID-19 auch das kommende Jahr bestimmen wird, sollten bereits im Onboarding-Prozess die Corona-Richtlinien des Unternehmens adressiert werden. Die Pandemie sorgt bei vielen Menschen für Verunsicherung. Merkt ein*e neue*r Mitarbeiter*in im Einarbeitungsprozess, dass das Unternehmen Bedenken ernst nimmt und die Sicherheit der Angestellten an erste Stelle steht, schafft dies Vertrauen.

3. HR Tools werden noch wichtiger

Die Automatisierung und Digitalisierung des HR-Bereichs zählt laut einer aktuellen Studie (Stand: Jun. 2020) des Softwareunternehmens Forcont und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zu den wichtigsten strategischen Aufgaben des HR. Zwar hat rund die Hälfte der Befragten (51 Prozent) ein Bewusstsein für Digitalisierungsthemen geschaffen, sieht allerdings noch erhebliches Verbesserungspotenzial in deren Umsetzung.  Kein Wunder also, dass die Einführung adäquater Software-Lösungen zu den wichtigsten HR Trends 2021 gehört.

Insbesondere der Bereich der Administration ist eine der größten Herausforderungen des HR. Rund ein Drittel der Ressourcen wandert direkt in die Bearbeitung administrativer Aufgaben. Darunter leidet häufig, so das Ergebnis der Studie, das strategische Personalmanagement. Insbesondere Kernaufgaben wie Personalentwicklung und Netzwerkpflege kommen zu kurz. HR Tools können diese Prozesse durch Automatisierung beschleunigen. Je nach Notwendigkeit, können sie von der Payroll-Automatisierung bis hin zur kompletten Gestaltung und Überwachung des Bewerber*innen-Managements eingesetzt werden.

Ob durch digitalisierte Recruitings- und Bewerbungsverfahren, Online-Zeiterfassung, Mitarbeiter*innen-Befragungen oder CRM-Datenbanken: Im HR fallen immer mehr Daten an. Zwar werden diese durchaus schon im Rahmen klassischer KPI-Optimierungen ausgewertet. Tiefgreifendere Datenanalysen, etwa zur Voraussage bzw. Einschätzung von Trends, werden bislang allerdings in den wenigsten Unternehmen durchgeführt. In Zeiten von Big Data ist dies durchaus überraschend.

Angesichts des großen Angebots an HR Tools, ist es für Unternehmen wichtig, im Vorfeld zu definieren, welche Funktionen benötigt werden und welche Daten erhoben werden sollen. Hierbei hilft es, eine Anforderungsliste zu erstellen. Zudem kann es sinnvoll sein, die Auswahl und Implementierung von HR Software-Lösungen durch externe Berater oder Agenturen betreuen zu lassen. Diese können auch die Schulung der HR-Abteilung übernehmen. Denn ihre maximale Effizienz entfalten digitale Tools nur, wenn sie auch angewendet werden.

4. HR ist ins Zentrum gerückt

Erfahrene Personalleiter*innen wussten es ja schon immer: HR-Abteilungen sind das Herz jedes erfolgreichen Unternehmens. Diese Erkenntnis ist durch die Pandemie inzwischen auch bei der Führung angekommen. Denn als mit Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr sämtliche Strukturen und Organisationsprozesse schlagartig umgestellt werden mussten, oblag es den HR Teams als Krisen- und Veränderungsmanager die Transformation und Adaption zu gestalten und zu überwachen. Während sie unter Zeitdruck Organisationsdesigns überarbeiteten, neue Kommunikationswege etablierten und die Unternehmensführung berieten, mussten sie auch immer ein Auge auf die interne Kultur haben.

Dabei hat sich einmal mehr gezeigt, dass die Rolle von HR weit über das Personalmanagement hinausgeht. Personaler*innen wurden in der Pandemie zu den ersten Ansprechpartner*innen im Unternehmen. Egal, ob es um die Unsicherheit vieler Angestellten hinsichtlich der Gefahr einer Corona-Ansteckung am Arbeitsplatz ging oder darum, die Geschäftsführung für die Ängste der Belegschaft zu sensibilisieren und den richtigen Ton zu finden. Ob bei der Implementierung von Home Office Workflows und hybriden Arbeitsmodellen oder der Stärkung des Team Spirits – ohne HR ging 2020 nichts!

Dementsprechend handelt es sich hierbei um einen langfristigen HR Trend, der nicht nur 2021 bestimmen wird. Denn auch nach Ende der Pandemie haben sich die Bedeutung der HR-Abteilung und deren Ansehen im Unternehmen nachhaltig verändert. Viele prognostizierte Entwicklungen, etwa Arbeit 4.0 und größere Agilität, lassen sich nur mit Hilfe gut aufgestellter HR-Abteilungen und Personalleiter*innen umsetzen.

Gleichzeitig legen diese einen stärkeren Fokus auf die psychische Gesundheit der Mitarbeiter*innen. Themen wie Work-Life-Balance und Resilienz-Aufbau werden immer mehr Teil der Personalentwicklung und sind darüber hinaus wichtige Attraktivitätsfaktoren für zukünftige Kandidat*innen.

5. Diversity und Inklusion bleiben Top Themen

Diversity und Inklusion werden seit Jahren als wichtige Themen benannt. Dass sie auch jetzt wieder unter den HR Trends 2021 zu finden sind, liegt daran, dass sich in den vergangenen Jahren weitaus weniger getan hat als häufig angenommen. Die Anzahl an Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen deutscher DAX-Unternehmen ist zuletzt (Stand: Nov. 2020) sogar gesunken. Aber Diversity und Inklusion lassen sich nicht allein anhand der Verteilung von Führungspositionen messen. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine gelebte Unternehmenskultur, die es allen Mitarbeiter*innen ermöglicht, zu wachsen und ohne Diskriminierung ihr volles Potenzial zu entfalten.

Hier kommt HR ins Spiel. Denn die Personalabteilungen sind es, die im Zweifel für die Unternehmenskultur verantwortlich sind und unter anderem im Rahmen von Employer-Branding-Maßnahmen diese auch nach außen kommunizieren. Allerdings erwarten junge Talente heute mehr, als den jährlichen LinkedIn Post mit Regenbogenmotiv zum Pride-Monat. So hat der Recruiting-App-Anbieter truffls jüngst im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass für 60% der befragten Generation-X und -Y-Mitglieder Diversity einer der Top-Anreize darstellt, sich für einen Arbeitgeber zu entscheiden (Stand: 2020).

Darüber hinaus thematisieren 43,9% der 18-29-jährigen die Haltung des Unternehmens zu Diversity-Themen im Vorstellungsgespräch. Fällt diese negativ aus, würden 56,1% ein Jobangebot ablehnen. Zudem deuten die Ergebnisse einer Reihe weiterer Studien an, dass heterogene, diverse Teams effektiver zusammenarbeiten. Im War of Talents kann sich ohnehin kein Unternehmen mehr leisten, potentielle Fachkräfte aufgrund von diskriminierenden bzw. ausschließenden Strukturen zu verlieren.

Fazit: Die HR Trends 2021 zeigen beschleunigte Entwicklungen

Trends-Artikel, das hat spätestens das vergangene Jahr gezeigt, sind immer mit einer gewissen Skepsis zu genießen. Denn komplett voraussagen, wie sich ein Unternehmensfeld entwickeln wird, kann niemand. Dennoch bieten die Entwicklungen der letzten Monate sowie viele Gespräche mit HR Professionals und Studien eine gute Ausgangsbasis für eine realistische Einschätzung der HR Trends 2021.

Eines ist auf jeden Fall sicher: Vieles ist in Bewegung. Die Pandemie hat bereits angelaufene Digitalisierungsprozesse spürbar beschleunigt und die Rolle von HR nachhaltig verändert. Neben viel Arbeit liegen hierin auch viele Chancen. Denn wenn HR eines bewiesen hat, dann, dass es so flexibel auf Veränderungen reagieren kann, wie wohl kaum ein anderer Unternehmensbereich.

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