HR in unsicheren Zeiten ▷ Interview mit Eva Stock

HR Krisenzeiten Veränderung Corona

„Die HR-Abteilung ist eine Art Lautsprecher gegenüber dem Management, besonders in Krisenzeiten.“

 

Ob durch Fusionen, Insolvenzen, Neuausrichtungen oder wie im aktuellen Fall, eine Pandemie – viele Unternehmen gehen im Lauf der Zeit durch unsichere Zeiten und Veränderungsprozesse, die ihre Belegschaft verunsichern können. Welche Rolle kommt dabei HR zu?Und wie können Personaler dem angemessen begegnen? Eva Stock, Head of Business Relations bei der Recruiting Tech Company Jobufo, erklärt in unserem neuen Whitepaper, warum Transparenz wichtig ist, welche Verantwortung die HR-Abteilung gegenüber Mitarbeiter*innen und Management hat und welche Kennzahlen es dabei zu berücksichtigen gilt. Hier gibt es schon einmal einen kleinen Ausschnitt:

Welche Verantwortungen trägt die HR-Abteilungen in unsicheren Zeiten?

Eva Stock (E.S.): Das was HR meiner Meinung nach immer machen sollte: mit offenen Augen und Ohren die Stimmung wahrnehmen, für die Mitarbeiter*innen immer ansprechbar sein und ihnen zuhören. Ob es nun um Sorgen bzgl. betrieblicher Veränderungen oder Unzufriedenheit mit dem Management und des Unternehmens an sich geht.

Man sollte also nicht nur auf Kennzahlen schauen, sondern sich vor Augen führen, dass es sich um Menschen handelt, die unterschiedliche Ansichten und Bedürfnisse haben und diese mal lauter, mal leiser ausdrücken. Es geht auch darum, den Mitarbeiter*innen zuzuhören, die vielleicht nicht in der Lage sind, gut mit Veränderungen umzugehen. Die HR-Abteilung ist eine Art Lautsprecher gegenüber dem Management, besonders in Krisenzeiten.

Welchen Impact kann HR in Krisenzeiten und im Wandel auf die Geschäftsführung und die Mitarbeiter*innen haben?

E.S.: Ich glaube es ist ein großer Impact. Die Führungsebene muss darüber nachdenken, wie sie mit den Mitarbeiter*innen kommuniziert, wie sie die Neuigkeiten auf eine Weise kommuniziert, die nicht zu verstörend, aber präzise genug ist, damit alle sich ein realistisches Bild machen können. Dafür benötigt man viel Fingerspitzengefühl und sollte in diesen Zeiten die eigenen Emotionen zurückhalten.

Wenn man im HR-Bereich arbeitet, steht man unter konstanter Beobachtung der Mitarbeiterschaft, besonders in Krisenzeiten. Daher sollte man sich so besonnen wie möglich verhalten, auch wenn gerade nichts normal ist. Man wird von der Belegschaft immer als eine Art Navigator oder Seismograph angesehen, das sollte man im Hinterkopf behalten.

Welche Indikatoren, Daten und Zahlen (KPIs) sind vor allem in Change- und Krisenzeiten relevant, um einen Überblick über die aktuelle Stimmung in einem Unternehmen zu bekommen?

E.S.: Als erstes würde ich auf den ENPS Score (Employee Net Promoter Score) schauen, also die Frage nach der Wahrscheinlichkeit, mit der die Mitarbeiter*innen das Unternehmen ihren Freund*innen als Arbeitgeber weiterempfehlen würden. Darüber hinaus würde ich mir Kennzahlen zur Kommunikation anschauen, etwa wie hoch die Mitarbeitenden die interne Kommunikation im Unternehmen bewerten und für wie wahrscheinlich sie es halten, ihre Karriereziele im Unternehmen zu erreichen.

Hinzu kommt natürlich noch die Fluktuationsrate in der Belegschaft, also wie viele Angestellte das Unternehmen verlassen und durch neue ersetzt werden. Wobei es bei einer hohen Fluktuationsrate häufig für viele Gegenmaßnahmen schon zu spät sein kann.

Unsere Key Findings aus dem Interview

In Krisenzeiten sollten HR’ler

  • für die Mitarbeiter*innen immer ansprechbar sein und genau zuhören
  • sich besonnen verhalten, um die Belegschaft nicht zu verunsichern
  • dem Management die Ängste und Sorgen der Belegschaft vermitteln
  • ein Auge auf den Employee Net Promoter Score haben (ENPS)
  • Mitarbeiter*innen-Umfragen durchführen, wenn dies noch nicht Routine ist

Das ganze Interview mit vielen weiteren Antworten und Tipps, beispielsweise zur Erstellung eines Mitarbeiter*innen Fragebogens findet ihr demnächst in unserem Whitepaper.

 

Eva Stock Head of Business Relations bei Jobufo, einer Berliner Recruiting Tech Company und blickt auf mehr als neun Jahre Berufserfahrung in HR und Personalwesen zurück. Darüber hinaus betreibt sie den HR-Blog „HR Is Not A Crime“ und ist Moderatorin des „insight:HR“ Podcasts.

Eine Idee zu “HR in unsicheren Zeiten ▷ Interview mit Eva Stock

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